Unser Joschi ist mit seinem mitlerweile 8 1/2 Jahren schon ein etwas reiferes Kalliber.
Er kam im Alter von 7 Wochen direkt aus Russland ansich durch ein Versehen zu uns.
Wir erkundigten uns derzeit beim russischen Generalkunsul nach seriösen Züchtern in Russland.
Wir bekamen die Adresse vom Präsidenten der russischen Hundezuchtvereinigung, Herrn Eugene Yerusalymski.
So weit so gut, wir knüpften Kontakt und machten uns schlau. Wir waren vor allem daran interessiert, zu erfahren,
was für eine Zuchtlinie wohl zu unserer Laika passen könnte, von der wir damals ja noch hofften, in ihr einmal
einen Zuchthund zu bekommen.
Wie gesagt, wir erkundigten uns und waren ob der Auskunft, die wir erhielten dann auch zunächst einmal voll auf
zufrieden.
Eine ganze Weile geschah nun einmal gar nichts. Wir waren schlauer und hatten für irgendwann später einmal
nun auch schon unsere Vorstellungen.
Es traf uns völlig unerwartet, als eines Tages, etwas drei Monate nach unserem Kontakt mit Russland das Telefon
läutete und Herr Yerusalymski uns freudig mitteilte, dass eine Woche später unser Welpe am Düsseldorfer
Flughafen ankäme.
Wie heisst es doch immer so schön, unverhofft kommt oft :-) .
Nun gut, irgendwann wollten wir ja sowieso unseren Rüden haben. Nun war es eben etwas früher so weit.
Wir fuhren also frohen Mutes nach Düsseldorf um unser kleines "Engelchen" abzuholen.
Was glauben Sie, was dann geschah ?
Joschi war winzig ( knappe 7 KG ) und in einem Katzen Transportkorb unter gebracht. Ich öffnete freudestrahlend
die Klappe zu Box und holte das ach so süsse Hündchen heraus. Der kleine Kerl baute sich in seiner vollen,
noch sehr mässigen Grösse vor mir auf und knurrte mich erst einmal herzhaft und böse an.
Von wegen Engelchen !!!
Ich war auf jeden Fall für`s Erste bedient. Schon oft hatte ich gehört, dass Russen Importe sehr agressiv sein
sollten. Es schien ja wohl, als würden die Gerüchte stimmen.
Ich war zu tiefst entsetzt und erklärte meinem Peter aus voller Überzeugung, dass ich DIESEN Welpen sofort wieder
verkaufen und los werden wollte. Da ich von je her sehr viel Wert auf einwandfreies Wesen legte, schien mir dieses Verhalten
nichts anderes zu zu lassen.
Mein Peter, wie immer der ruhige, weniger emotionale Pol beruhigte mich erst einmal und überzeugte mich, dass der
kleine Kerl ja wohl mindestens eine Chance verdient hätte.
Nun gut, mit sehr gemischten Gefühlen fuhren wir heim und Joschi zog bei uns ein.
Es war verflixt, der Bursche wollte nicht aufhören wegen jeder Kleinigkeit zu knurren und zu brummen. Auch, wenn
er gekrault wurde und sich offensichtlich wohl fühlte.
Für mich war dieses Verhalten vüllig neu !!
In der Erwartung später einmal einen grossen, wohl auch sehr starken und dominanten Hund zu haben, versuchte ich
mit allen Mitteln dieses ( in meinen Augen Dominanzverhalten ) zu unterbinden.
Jedoch, alle Mühen waren hier vergeblich.
Ich redete mit Engelszungen auf Joschi ein. Ich ordnete ihn direkt bei jedem Knurren unter. Ich verscute es mit Liebe und
säuselnder Sanftmut und mit Strenge und etwas Härte. Joschi liess das Knurren einfach nicht sein !!
Hier war es wohl ich, die erst einmal lernen und begreifen musste, denn bei allem Knurren und Brummen hat Joschi nie
auch nur ansatzweise versucht zu schnappen oder sich aufzulehnen.
Irgendwann begriff dann auch ich schwerfälliger Mensch, dass eben auch das Verhalten von Hunden nicht generell
über einen Kamm zu scheren ist und dass es auch hier Verhaltensmuster gibt, die man in keine Normen pressen kann.
Irgendwann habe ich es aufgegeben mit dem armen Kerl zu schimpfen und zu versuchen ihm das Knurren endlich
abzugewöhnen. Ich lernte ihn einfach so zu nehmen wie er ist und seine Art zu akzeptieren.
Joschi ist tatsächlich ein sehr dominanter Rüde geworden. Trotzdem hat er nie an unserer Führungsrolle
hier im Hause gezweifelt.
Nie hat er es gewagt zu schnappen und immer war unser Wort oberstes Gebot.
Heute sorgt seine brummige Eigenart tatsächlich des öfteren für Belustigung vor allem bei Besuchern, die
seinen Tick nicht kennen.
Mein Mann macht sich nämlich regelmässig einen Spass daraus, den Joschi in den Arm zu nehmen und
herzhaft zu drücken. Der "Dicke" brummt dann wie auf Knopfdruck bitterböse und Markerschütternd
los, wie ein russischer Schwarzbär. Das ist dann so etwa der selbe Effekt, wie bei den Stoff Teddybären, die auch
brummen, wenn man auf die Bäuche drückte.
Nach anfänglichem Entsetzten, merken die Besucher in der Regel dann aber sehr schnell, dass alles nur Joschis ganz
persönliche Show ist.
Trotzdem merke ich sehr oft, dass es für Aussenstehende sehr schwer ist, diese eigene Sprache zu verstehen.
Kommen Besucher etwa das erste Mal zu uns, dann sind sie in der Regel erst einmal sehr vorsichtig und mit jeder Menge
Respekt erfüllt, wen der 57 KG Bär brüllend und knurren auf sie zu stürmt.
Erklärt man dann diese Eigenheit, dann schlägt das Verhalten der Gäste in der Regel sehr schnell um.
Joschi der Bär kommt an. Dieser breite Burche mit seinem riesigen, breiten Schädel imponiert und gefällt.
Aufgrund seiner enorm massiven Erscheinung und seinem fordernden, tapsigen, manchmal schon recht groben Auftreten,
denken die Besucher sehr häufig dass dieser grobe Klotz auch kräftige, derbe Zuneigungsbekundungen
erwartet.
Oft ein fataler Fehler.
Natürlich mag es der Joschi sehr, wenn man ihn klopft und mit ihm rangelt und spielt. Er zieht jedoch eine sehr feine
Grenze, an der es für ihn zu grob und heftig wird.
In dem recht wilden, immer von seinem ständigen Knurren begleiteten Spiel ereifern sich auch die Besucher, ganz von dem
Temperament des Buben begeistert, leicht etwas zu sehr. Das Klopfen und Knuddeln wird dann leicht zu grob, auch für
unseren groben Klotz.
Wir müssen dann sehr darauf achten, wenn sich die Tonlage in seinem ständigen Knurren ändert und er sagen
will, dass es ihm jetzt denn doch zu grob wird.
Diese Tonlagen kennen wir mit den Jahren ganz genau. Wie soll jedoch ein Besucher diese unterscheiden ??
Wir unterbinden in solchen Situationen das wilde Spiel in der Regel und sorgen für eine Tobepause.
Ja, es dauert eben schon eine ganze Weile bis man solch eigene Sprache versteht.
Trotz seiner Dominanz und seines Temperamentes ist Joschi ein absoluter Verlasshund. Joschi hört IMMER und
direkt auf den ersten Zuruf. Er ist ein Musterbeispiel, will man eine perfekte Unterordnung vorführen.
Er ist eben unser guter, lieber Bub !!!
Zu der Zeit allerdings, als er noch ausgestellt wurde, habe ich ihn des öfteren ob seines Macho Gehabes das Fell
verflucht.
Ich muss hier vorweg einmal betonen, dass Joschi sich noch nie in seinem ganzen Leben gerauft oder gar gebissen hat.
Da er jedoch eben ein echter Macho ist, muss er auf jeden Hund zu stürzen und diesem seine Überlegenheit
demonstrieren.
Bewegt er sich ohne Leine frei, denn stürzt er auf den Hundekonkurrenten zu, kurz vor diesem bremst er ab und
dreht dan Kopf und Rute erhoben seine Runden um den Konkurrenten. Bisher ist es immer so geendet, dass Joschi dem
anderen seinen Kopf auf die Schultern legte und dieser sich daraufhin unter ordnete und seiner Wege ging. Was nun
passiert wäre, wenn sich einmal ein Hund gegen Joschi aufgelehnt hätte, das kann ich nicht sagen. Ob er dann
tatsächlich gerauft hätte ?? Ich kann es wirklich nicht sagen.
Auf den Ausstellungen war es da schon viel anstrengender. Joschi hatte immer einen "Dunstkreis" von etwas zwei Metern um
unseren Platz herum.
Ausserhalb dieses Dunstkreises interessierte ihn wenig. Oftmals hatte man sogar den Eindruck, er würde tief und
fest schlafen.
........ von wegen......!!!
Sobald ein anderer Hund diesen, seinen Dunstkreis überschritt, ging Joschi los wie ein Torpedo.
Das war nicht nur gelegentlich sehr peinlich, sondern auch sehr, sehr anstrengend.
Immer musste man in Spannung sein und auf den ollen Stinker achten. Nie konnte man entspannt am Ring einen Smalltalk
halten. Einige Male hat mich der Dicke in solchen Situationen im wahrsten Sinne des Wortes auf`s Kreud gelegt.
Wenn ich etwas in ein angeregtes Gespräch vertieft am Ring stand, Joschi ruhig und scheinbar entspannt neben mir
sass, etwa ein anderer Rüde hinter und vorbei ging, welcher Joschi schief anguckte, dann gingen völlig
unverhofft mehr als einmal die vollen 57 KG wie ein Geschoss nach hinten lo. Das haut die stärkste Frau um :-) !!
Sein Machogehabe hatte im Ring jedoch seine deutlichen Vorteile. Joschi kam in den Ring- Kopf hoch, Rute hoch und
baute sich, war ein anderer Rüde mit im Ring von ganz alleine riesig gross ( trotz seiner nur 69 cm ) und stolz auf.
Seine Gesamterscheinung, seine Power und sein toller Schub aus der Hinterhand brachten ihm viele Erfolge und viel
Anerkennung im Ausstellungsring.
Leider konnten wir diese erfolgreiche und trotz der Nervenanspannung der schöne Zeit mit Joschi auf Ausstellungen
nicht lange geniessen.
Nach dem Röntgen seiner Hüften war der Traum vom zukünftigen Deckrüden leider aus geträumt.
Wie bei so viele Importhunde war auch Joschis Hüftsituation recht desolat.
Um als damals angehende Züchter unserem Traum vom Aufbau unserer Zucht näher zu kommen, hätten
wir nach diesem niederschmetternden Ergbnis unseren Josch aus Vernunftsgründen eigentlich abgeben müssen.
Wir lieben unseren Buben nach wie vor, möchten ihn auf keinen Fall missen und hoffen, dass er uns noch möglichst
lange erhalten bleibt und wieterhin die Besucher begeistert und so positive Werbung für unsere Rasse macht.
So langsam merkt man auch Joschi sein Alter an. Trotz seiner schlechten Hüften merkt an der Power, dem Antritt
und dem Temperament noch keinerlei Änderung.
Grau wird der Junge aber immer mehr und mehr. Die Ohren, ser Bauchbeahng und auch die Fahnen an den hinteren Sprunggelenken
sind schon fast mehr silbern als schwar-grau. Seit dem muss er sich von uns den liebevollen Spitznamen " unser alter Silberwolf " gefallen lassen.
Seine Kondition lässt in letzter Zeit auch merklich nach. Die Zeichen der Zeit nagen eben auch an unserem Bären.
Auch fängt er, wenn Herrchen einmal zu heftig und lange mit Joschi sein geliebtes Ballwerfen gespielt hat nun doch
an hinterher sehr steif zu laufen und auch gelegentlich zu hinken. Noch regeneriert er sich gottseidank immer wieder schnell.
In diesem Punkt haben wir die Einstellung, dass er sein Leben intensiv und mit Spass und Freude leben soll, so lange es eben
geht.
Wir hoffen, dass der Tag des Abschieds noch recht lange hin ist. Bisher auf jeden Fall knurrt, brummt, schwimmt, spielt und
tobt unser Dicker mit unerschütterlichem Elan, der jeden Besucher beeindruckt.
Wenn Sie Lust haben, besuchen sie unseren Brummbären und uns doch einmal !!
Viele Grüsse im Mai 2001, Sylvia Sälzer.