Bemerkungen zum Kupierverbot seit dem 01.06.1998 in Deutschland
Nun besteht das Kupierverbot seit fast 10 Monaten, nämlich seit dem 1.6.98.
Mein B- Wurf, war mit dem Geburtsdatum 15.6.98, der erste Wurf in Deutschland, der seine Schwänze behielt.
Es wäre sicherlich gelogen, würde ich behaupten, daß ich mich auf diese Änderung und das veränderte Erscheinungsbild unkupierter Russen schon lange gefreut hätte. Ich denke, jeder Züchter und Halter stand dieser Veränderung zunächst einmal sehr skeptisch gegenüber. Alle waren mehr oder weniger ängstlich gespannt, was uns da nun erwarten würde. Wie würden die Ruten das Erscheinungsbild unserer Russen verändern, wäre es dann noch derselbe Hund ?
Oder, würde der „Russe" an seiner eleganten, schnittigen Erscheinung sehr viel einbüßen ?
Klar war uns damals nur, daß dieses eine gravierende Veränderung bedeutet und, daß man sich an den Anblick sicher erst gewöhnen müsse.
Für die eingefleischten Fans der Rasse stand jedoch zu keinem Zeitpunkt ein Verrat an der Rasse, nur wegen der paar cm mehr zur Debatte. Der Hund bleibt schließlich der selbe, darüber waren sich alle einig.
Keiner, der Züchter und Halter, mit denen ich sprach, spielte mit dem Gedanken, nun die Rasse zu wechseln, wie man es gelegentlich von Züchtern anderer betroffener Hunderassen hörte.
Es hielt sich einhellig die Meinung, wir können ja nichts mehr ändern, wir müssen nun damit leben, laßt uns sehen, was die Zukunft bringt.
Ich denke, man kann nun erste Bilanzen ziehen.
Die Ruten erscheinen noch in den verschiedensten Varianten. Es gibt Hunde, die tragen die Rute nun dicht am Körper auf den Rücken gerollt, und es sieht von der Seite her fast so aus, als seien diese Hunde noch kupiert. Andere tragen die Rute über dem Rücken, in einem eleganten Bogen geschwungen. Auch dieses Erscheinungsbild wirkt sehr harmonisch und der Hund hat an Eleganz und Ausstrahlung nichts verloren.
Es gibt noch eine weitere Variante, in der die Hunde die Rute säbelförmig aushängen haben. Diese Varianten tragen die Ruten im aufmerksamen Zustand aber meist auch hoch über dem Rücken erhoben und sehen dann genauso schön, stolz und wohlgeformt aus.
Die Ruten sind mittellang und recht fleischig und stehen in einem prima Verhältnis zu den übrigen Körpermaßen..
Ich denke ,im Vergleich zu anderen Rassen, die nun vom Kupierverbot betroffen sind, haben wir es mit unseren „Russen" noch denkbar gut getroffen. Durch die Länge, Stärke und Form der Ruten , wie sie bei unseren Hunden nun anzutreffen ist, verliert der Hund nichts an seiner laut Standart vorgeschriebenen Erscheinung und Ausstrahlung.
Sicher, als Russenfan, der bisher nur und ausschließlich kupierte Hunde besessen und gesehen hat, wird der Anblick unkupierter Russen noch für längere Zeit etwas exotisch anmuten. Die Besitzer, die aber nun schon einen unkupierten Hund ihr Eigen nennen, sagen dasselbe über unsere kupierten Hunde. Für die neue Generation "Russenbesitzer" wirken jetzt schon unsere noch kupierten Hunde als die Exoten.
Die ersten Hunde der neuen Ära sind nun im ausstellungsfähigen Alter und ich denke, mit zunehmender Publikation unkupierter Hunde wird diese Erscheinung mehr und mehr zur Selbstverständlichkeit werden.
Unsere Hunde bleiben typvoll und in ihrem Erscheinungsbild ansprechend und wunderschön.
Das Wichtigste, nämlich das Wesen der Hunde bleibt vom äußeren Erscheinungsbild ohnehin unangetastet.
Ich bin mittlerweile der Meinung, daß die Ruten der zunehmenden Beliebtheit unserer Hunde keinen Abbruch tun.
Der „Russe" ist mit oder ohne Rute ein phantastischer Hund und wie nun auch die jüngsten Erfahrungen zeigen, wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.
Es hat sich im Nachhinein auch in diesem Fall wieder einmal gezeigt, daß trotz der Befürchtungen im Vorwege das Ergebnis nun durchaus ansehnlich ist und die Angst, daß der Hund nun an Ausstrahlung und Typ verliert, sich in keiner Weise bestätigt haben und völlig unbegründet waren.
Nun tragen unsere Hunde "Schwanz" und wir sollten sie diesen mit Stolz in die Zukunft tragen lassen.
Sylvia Sälzer